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Werbewirkungsmodelle


"Ich weiß, dass die Hälfte der Ausgaben für Werbung zum Fenster herausgeworfenes Geld ist. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte."

Henry Ford


Die Frage nach der Wirkung von Werbung ist im Grunde so alt, wie die Werbung selbst. Gerade zu Zeiten, in denen die Medienanbieter gern an der Preisschraube drehen, wo ein 30-sekündiger Werbespot in der Primetime des öfteren 60.000 Euro kostet, für eine 1/1-Anzeige in einer überregionalen Tageszeitung knapp 40.000 Euro bezahlt werden müssen, stellt sich jeder Werbende die Frage, wie wirkt meine Werbung eigentlich; was bekomme ich -neben den erreichten Lesern/ Sehern/ Hörern- für mein Geld?

In diesem Zusammenhang müssen zwei Begriffe im Vorhinein definiert werden: Werbewirkung und Werbeerfolg, die häufig miteinander vermischt wurden. Während sich die Werbewirkung als kommunikativ-psychische Größe darstellt, wird der Begriff Werbeerfolg als Größe gesehen, der die Folgen werblicher Maßnahmen als ökonomische Größe ausgibt. Werbewirkungen sind somit den
Werbeerfolgen vorgelagert.

Werbewirkungsmodelle

Der Einsatz von Werbewirkungsmodellen ist auf die grundlegende Frage nach der Funktionsweise von Werbung zurückzuführen. Hierbei sind es meist die Praxiserfahrungen, die zu Funktionsmodellen und Hypothesen führen. Erfahrungen werden zu Glaubensansätzen, Glaubensansätze prägen die Strategie und die Maßnahme. Werbewirkungsmodelle sind solche Glaubensansätze.

Werbewirkungsmodelle sind notwendig, da sie wichtige Hinweise für die
Kampagnengestaltung geben. Nur wenn man weiß, in welcher Art und
Weise Werbung wirkt, ist man in der Lage die richtigen Entscheidungen
für eine effektive Kampagne zu treffen. Auch für die Überprüfung des
Kampagnenerfolges sind solche Modelle von großer Bedeutung. Da sich
der ökonomische Werbeerfolg nur schwer operationalisieren lässt, eine
Steigerung des Umsatzes und der Marktanteile ist nicht nur von der
Werbung abhängig, wird der Eintritt der Wirkung in Bezug auf psychologische
Variablen getestet.

Dies geschieht auf der Grundlage der jeweiligen Werbewirkungs-Annahme.


Lineare-Sequenzielle Modelle

AIDA: Attention - Interest - Desire - Action (1889)
AICA: Attention - Interest - Conviction - Action (1919)
AIDAS: Attention - Interest - Desire - Action - Satisfaction (1911)
AICRM: Attention - Interest - Conviction - Response - Memory (1923)
ACCA: Attention - Comprehension - Conviction - Action (1960)

Jedes dieser Modelle ist x-fach empirisch widerlegt. Es sind reine Glaubensansätze!

Hierbei treten folgende Kritikpunkte an den linear-sequenziellen Modellen auf: Die Realität ist nicht linear, realistische wäre eine zyklische Betrachtung. Die beschriebene Reihenfolge stimmt nicht. Oft geht eine Verhaltensänderung einer Einstellungsänderung voraus. Zudem gibt es keine zwangsläufige Kausalität zwischen den einzelnen Wirkungsstufen. Das Werbegeschehen wird isoliert betrachtet, die gleichzeitige Werbung der Konkurrenz kommt in diesen Modellen nicht vor.

Problem: Diese Modelle entwickeln ein kontextunabhängiges Wirkungsmodell von Werbung.


Weak-Theory: ATR-Modell

ATR: Awareness - Trial - Reinforcement (Ehrenberg, 1974)

Annahme: Werbung kann nicht überzeugen, sondern nur bekannt machen und bestätigen.

Dieses Werbewirkungsmodell geht davon aus, dass die Verbraucher nur wenig aus Werbung lernen. Vielmehr sind ihnen die meisten Marken und Produkte bereits bekannt. Auch kann die Werbung nut selten von der exklusiven Verwendung einer Marke überzeugen ("Relevant-Set von verschiedenen Marken").

Die Aufgabe von Werbung ist es demnach den Verbraucher in seiner
Einstellung zu Marke zu bestätigen. Sie ist dabei eher defensiv, wohingegen der Verbraucher eine aktive Haltung einnimmt.

Ausgangspunkt für dieses Modell war die Meta-Analyse von langzeitigen
Panel-Daten für Konsumgütermärkte. Wenn man die Daten unter dem Aspekt der Langfristigkeit betrachtet, ist die Veränderung von Marktanteilen und Umsätzen verschiedener Marken allerdings recht stabil.


String Theory: STAS-Modell

STAS: Short-Term Advertising Streng (Jones, 1997)

Annahme: Werbung kann zu kurzfristigen Verkäufen und der Verschiebung von Marktanteilen führen.

In diesem Modell geht Jones davon aus, dass Werbung das Wissen der
Verbraucher sehr wohl erweitert. Sie ist also in der Lage Einstellungen
zu ändern und Überzeugungsarbeit für die Markenwahl zu leisten. Diese
Beeinflussung gelingt der Werbung durch die Verwendung von psycho-
logischen Techniken, sie ist somit offensiv und der Verbraucher verhält
sich dazu passiv.

Ausgangspunkt für dieses Modell war die Meta-Analyse von Single-Source-Untersuchungen (Beobachtungen von Panel-Haushalten) bezüglich der betrachteten Werbung und den tatsächlichen Verkäufen. Hierbei waren starke Veränderungen zu beobachten, insbesondere in einem Zeitraum von 7 Tagen hatte die Werbung einen sichtbaren Einfluss auf den Verkauf der beworbenen Marke.

Damit Werbung eine solche Wirkung erzielt, müssen nach Jones einige
Voraussetzungen erfüllt sein. So muss die Werbung amüsant bzw.
unterhaltend sein, damit sie so den Rezipienten für die Betrachtung belohnt. Der Bildanteil muss den Wortanteil übertreffen, des weiteren müssen relevante Informationen über die Marke vermittelt werden.

Auch in diesem Modell bleiben sonstige Einflussfaktoren, wie z.B. die
gleichzeitige Werbung der Konkurrenz unberücksichtigt. Zudem wird eine
langfristige Werbewirkung im STAS-Modell ausgeschlossen.


weitere Werbewirkungsmodelle

Impact-Modell
Verbraucher trifft Entscheidung nach der Bekanntheitshierarchie. Je höher das Werbeobjekt in der Hierarchie steht, desto wahrscheinlicher ist der Kauf.

Image-Modell

Verbraucher entscheidet sich gemäß dem Idealimages. Gelingt es das
Werbeobjekt in die Nähe des Idealimages zu rücken, dann wird der Kauf
wahrscheinlicher.


Psychoanalytisches Modell
Jeder Mensch hat Probleme, Konflikte, Schwierigkeiten. Das Werbeobjekt
soll hierfür Lösungsmöglichkeiten bieten.


Mediales Beeinflussungsmodell
Beeinflussung gelingt nur in einer medientypischen Form. Ein allgemein-
gültiges Beeinflussungsmodell kann es also nicht geben.


Adoptionsmodell
Ziel der Ansprache sind jene Personengruppen, die derzeit am ehesten bereit sind, das Werbeobjekt zu übernehmen. Werbung muss sich folglich an den Eigenarten dieser Gruppe orientieren.