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Das Internet - Eine kurze Geschichte


Militärischer Ursprung

Ende der sechziger Jahre startete die DARPA [Defense Advanced Research Projects Agency] in den USA ein Projekt mit dem Ziel, ein Computernetz zu entwickeln, das auch noch funktionieren sollte, wenn Teile des Netzes ausfallen sollten.

Mit Hilfe dieses Netzes sollten Informationen (z.B. Wetterdaten, geographische Daten) den unzähligen militärischen Anlagen zugänglich gemacht werden. Jeder Computer sollte sich mit jedem anderen Computer, egal welchen Typs und welcher Bauart, unterhalten und auf dessen Daten zugreifen können. Diese Daten-kommunikation sollte auch dann noch funktionieren, wenn das gesamte Netz partiell nicht mehr verfügbar war. Die Daten sollten sich einfach automatisch den besten Weg durch das übrig gebliebene Netz suchen.

1969 wurde dann das ARPANET in Dienst gestellt, sozusagen der Großvater der Internet. Es hatte bereits die dezentrale Prägung, in der sich zwei kommunizierende Rechner bei Ausfall einer Verbindung einfach einen neuen Weg zur Datenübertragung suchen.

1974 begannen Bob Kahn und Vint Cerf das Netzwerkprotokoll TCP/IP [Transmission Control Protocol / Internet Protocol] zu entwickeln, das am 1. Januar 1983 zum offiziellen Standard erhoben wurde. Ein solches Protokoll legt Konventionen zur Kommunikation zwischen den einzelnen Rechnern fest.

Das IP funktioniert (stark vereinfacht) wie ein elektronischer Briefumschlag, in den die jeweils zu übertragenden Daten (Texte, Grafiken, Töne) hineingesteckt, adressiert und verschickt werden. Dabei müssen verschiedene elektronische Briefe an einen Adressaten nicht zwangsläufig den gleichen Weg nehmen, sondern können zwischen verschiedenen Zustellwegen wählen.

Es gibt darüber hinaus noch einen weiteren Vorteil: Besonders große Sendungen von Informationen kommen im Datennetz nur mühsam voran. Ihr Postbote hat an einem 10-kg-Pakte auch schwerer zu tragen als an einem gewöhnlichen Brief. Je länger ein "elektronischer Briefumschlag" für seinen Weg von einem Rechner zum anderen benötigt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Übertragungsfehler auftreten. So sind die Telefonleitung und Übertragungskabel nicht vollkommen störungsfrei. Solche Übertragungsfehler kosten durch Fehlerkorrektur viel Zeit und können sogar dazu führen, dass die Übertragung neu gestartet werden muss.

Um Abhilfe zu schaffen, teilt das TCP/IP große Datenpakete beim Versand in mehrere kleinere Blöcke auf. Diese gleiten in der Regel schnell und relativ störungsfrei durch das Netz. Der Postbote aus dem Eingangsbeispiel teilt so das 10-kg-Paket in 5 Päckchen mit je 2kg. Diese sind handlicher und natürlich leichter zu tragen. Am Bestimmungsort angekommen, fügt der Briefträger diese wieder zu einem vollständigen Paket zusammen.

Jeder Block kann aber auch seine individuelle Route nehmen. Wenn die Leitung, über die die erste Dateneinheit übertragen wurde, zusammenbricht, weicht der jeweilige Rechner einfach auf eine andere Übertragungsroute aus.

Beim Empfänger werden alle Datenblöcke gesammelt und automatisch in der richtigen Reihenfolge zusammengefügt. Unser netter Postbote holt sich hier Hilfe von seinen Postkollegen. Während jeder das 2-kg-Päckchen auf einer anderen Tour bewegt, kommen zu einer bestimmten Zeit alle zusammen und übergeben das Paket geschlossen an den Empfänger.

Forschung

Wenige Jahre später traten die eigentlichen Väter des Internet auf den Plan: die Forschungseinrichtungen und Universitäten. Aus Kostengründen vernetzten mehrere amerikanische Universitäten ihre Computersysteme über Standleitungen miteinander, so dass Forschungsdaten jederzeit an jedem Ort dieses Netzwerkes abgerufen oder bereitgestellt werden konnten. Der mühselige Transport von Daten auf Papier oder Magnetbänder entfiel.

Das NSF [National Science Foundation]-Net war entstanden, während das ARPANET 1989 abgeschaltet wurde. In den folgenden Jahren schlossen sich immer mehr Universitäten und Forschungseinrichtungen an.

Im nächsten Schritt wurden die Privatrechner von wissenschaftlichen Mitarbeitern (und später auch Studenten) per Modem oder Telefonleitung mit diesem Wissenschaftsnetz verbunden. Dabei zeigte sich, dass auch mit dieser Maßnahme Zeit und somit auch Kosten gespart werden konnten.

So wurden nunmehr auch (private) elektronische Nachrichten oder der Speiseplan der Mensa auf diesem Weg übermittelt. Es entstanden weitere Netze, z.B. das Usenet, das sein Vorbild in den "Schwarzen Brettern" fand, an die Studenten auch noch heute ihre Mitteilungen aus Papier hängen.

Schließlich ging man dazu über, die verschiedenen Netze (ARPANET, NSFNET, USENET, BITNET) die mittlerweile entstanden waren, miteinander zu verbinden. An wichtigen Knotenpunkten der verschiedenen Einzelnetze wurden so genannte "Gateways" installiert - elektronische Brücken, die Nachrichten von einem Netz ins andere durchreichen und umgekehrt.

Kommerzialisierung

Hinzu kam eine fortschreitende Kommerzialisierung von Computernetzen, denn Unternehmen der Privatwirtschaft hatten schnell erkannt, welche Vorteile z.B. eine Vernetzung mehrerer Filialen bedeuten kann.

Indirekt ist der Kommerzialisierung des Internet auch die rasante Entwicklung der letzten Jahre zu verdanken. Aber auch der allgemeine technische Fortschritt, der spezielle technische Fortschritt (rasante Entwicklung in der Mikrochiptechnologie) und die Veränderung in den meisten Gesellschaftsstrukturen eine bedeutende Rolle. Kommerzielle Provider ermöglichen mittlerweile jedem, der über eine Telefonleitung
verfügt, zu relativ niedrigen Gebühren den Zugang zum Internet.

Die Anzahl der Anbieter von Informationen, Dienstleistungen oder Waren die auch für den privaten Surfer interessant sind, ist in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre förmlich explodiert.

Anmerkung

Diese kurze Geschichte des Internet gibt stark vereinfacht den vorherrschende Kenntnisstand zur Entstehung des Internet wieder.

Gegen den kriegssicheren militärischen Ursprung des Internet polemisiert heute auch einer der Urväter des Internet, Larry Roberts, der bereits 1966 die Idee eines dezentral verknüpften Netzwerkes skizzierte: "Es ist ein Gerücht, dass das Internet entwickelt wurde, um einen nuklearen Krieg auszuhalten. Das ist total falsch." Erst später sei das Argument eines Atomschlags hinzugekommen - das erwies sich beim Lockermachen von Forschungsgeldern als äußert nützlich.

Eine Kleine Geschichte am Rande: 1972 führte der Entwickler Ray Tomlinson den Klammeraffen @ als Teil der User-Adressen eines Programms ein, mit dem sich elektronische Nachrichten verschicken ließen - einfach deswegen, weil er dieses Zeichen auf seinem 33-Tasten-Keyboard am wenigsten benötigte.